Badlands 2020

Self-supported Ultracycling durch Spanien

720 Kilometer und 15.000 Höhenmeter Nonstop in maximal sieben Tagen. Keine Checkpoints, kein warmes Hotelbett am Ende des Tages. Nur du, dein Bike und deine Ausrüstung. Durch die unwegsame, weite Landschaft der spanischen BADLANDS. Durch die einzige Wüste Europas und über steile Schotterpässe. Unglaubliche Aussichten abseits der Zivilisation als Antrieb, unvergessliche Augenblicke als Belohnung.

Das Gravelevent Badlands der Ultracycling-Serie Transibérica ist ein einmaliges Abenteuer. Ein Abenteuer, an dem Karl und Nis (@sympatheiacycling) Anfang September teilnahmen. In einem kleinen Interview berichten die beiden, wie es ihnen auf der Tour, die sie in nur 132 Stunden und 39 Minuten absolviert haben, ergangen ist, was sie erlebt haben und was für Erfahrungen sie mitnehmen konnten.

„Moin moin, wir heißen Nis und Karl. Wir sind beide über BMX zu unser Fahrradpassion gekommen. Vor dem Badlands haben wir mit unseren Freunden von den @hardbrakers auf Track Bikes Europa und Brasilien unsicher gemacht.“

Was ist eure Motivation?

„Wir beide lieben es, Zeit in der Natur und fernab von der Zivilisation zu verbringen. Dies lässt sich bei self-supported Bikepacking-Events, wie dem Badland, natürlich wunderbar mit unser Fahrradpassion kombinieren.“

Wie ist es euch während des Rennens ergangen?

„Fantastisch! Ohne zu übertreiben, war es wohl das Beste, was wir je auf zwei Rädern erlebt haben. Wir hatten zwischenzeitlich Probleme mit unserem Tubeless-Setup, aber davon abgesehen lief es wunderbar. Die Route ist atemberaubend, konditionell und von der Ästhetik. Super abwechslungsreich, von Granada ging es hoch in die Sierra Nevada, durch die Gorafe Wüste, die Tabernas Wüste runter an die Küste durch das Naturschutzgebiet Cabo de Gata und über den 3200 Meter hohen Veleta Pass. Darüber hinaus haben wir eine Menge toller Menschen kennengelernt und die OrganisatorInnen haben einen unglaublich guten Job gemacht. Shoutout an @transiberica!“

Wie sah euer Setup aus?

„Ortlieb Taschen, Nordisk Camp Gear und zwei turboschnelle, federleichte und unglaublich komfortable Rose Backroads. Diese haben wir mit fünf FIDLOCK bases bestückt, drei am bzw. unter dem Rahmen und zwei an der Gabel. Dieses Setup sieht nicht nur sexy aus, sondern ist auch unglaublich variabel. Die TWIST uni connector konnten wir je nach Bedarf bestücken. Vor dem langen Wüstenabschnitt ohne Versorgung mit dementsprechend viel Wasser oder auch der Aero Press, Olivenöl und Drybags. Für die Freizeit sind sie auch perfekt, um einen Bluetooth Speaker bei der Ausfahrt dabei zu haben.
Unter dem Rahmen hatten wir beide die praktische FIDLOCK toolbox montiert. Hier ein kleiner Tipp: Wenn der Reißverschluss mit Schlamm verdreckt ist und zickt, helfen ein paar Tropfen Kettenöl ganz wunderbar.“

Wie habt ihr die Nächte verbracht?

„Immer unter den Sternen, eingepackt in unsere Nordisk Schlafsäcke. In der Wüste, an der Küste direkt an einem steilen Kliff und eine Nacht auch mal im Regen am Bergfuß.“

Was waren die Highlights? Was die Lowlights?

„Highlights sind fast unzählbar. Jeder Hillbomb, ob MTB Trails, smoothe Serpentinen oder der Skihang nach dem Veleta Pass. Die unglaublich abwechslungsreiche Flora und Fauna, die netten Menschen, die großartigen Avocados, die Begegnungen mit Hütehunden, Ziegen und Schafen, im Sonnenaufgang feinen, selbstgebrauten Kaffee zu genießen, der Sternenhimmel jede Nacht und und und und und…
Lowlight war eigentlich nur, dass wir ein zu großes Vertrauen in das Tubeless-Setup hatten und es bei den steinigen Abhängen die ersten Tage etwas übertrieben haben. Das Resultat waren drei dicke Dellen in den Felgen, kaputte Reifen und eine Menge Tubeless-Milch überall da, wo sie eigentlich nicht sein sollte. Aber auch das gehört dazu.“

Wie sah eure Verpflegung unterwegs aus?

„Wir haben uns hauptsächlich in Supermärkten oder Tiendas versorgt. Größtenteils standen Avocados, Nüsse, Datteln, Olivenöl und sonstiges Obst und Gemüse auf der Karte.
Nur für einen Wüstenabschnitt mussten wir etwas planen, da es dort für circa 180 km keine Versorgung gab. Aber ansonsten konnten wir uns in jedem kleinen Dorf die Bäuche und Taschen vollstopfen.“

Hatte die Corona Pandemie Einfluss auf die Veranstaltung?

„Kaum, da wir den Großteil der Zeit fernab jeglicher Zivilisation waren. Nur die obligatorischen Masken in Märkten haben uns an die Pandemie erinnert.“

Habt ihr euch auf das Event vorbereitet? Welche Tipps könnt ihr an zukünftige TeilnehmerInnen weitergeben?

„Eigentlich kaum, wir fahren beide generell viel Fahrrad. Aber da es unser erster Event dieser Art war, wussten wir auch nicht wirklich, was auf uns zukommt.
Wichtigster Tipp: Jeder sollte sich sofort und ohne groß Nachzudenken für das Badlands 2021 anmelden!
Das Transiberica gibt am Vortag des Starts ein ausführliches Briefing, welches die Teilnehmer und Teilnehmerinnen perfekt vorbereitet. Alle Sorgen sind also unbegründet.“

Habt ihr Pro-Tipps für die Leute, die sowas machen wollen, aber sich nicht trauen?

„Da es auch für uns der erste Event dieser Art war, würden wir uns eher als totale Amateure bezeichnen.
Tipps wären, das Rad schonend fahren und bei den steinigen Abfahrten etwas Tempo rausnehmen. Ganz wichtig ist es auch, auf die Ernährung zu achten. Also den Versuchungen zu widerstehen, sich mit Junkfood vollzustopfen, wenn man nach langer Durst- und Hungerstrecke zu einer Einkaufsmöglichkeit gelangt. Im ersten Moment mögen eine Gurke und Wasser nicht so attraktiv sein, wie Schokoriegel und Cola. Aber nach dem nächsten harten Anstieg freut man sich riesig darüber.
Außerdem hatten wir Zechstein Magnesiumöl für die Beine dabei, vernünftige Elektrolyte, Spirulina/Chlorella Tabs und Vaay CBD Sportcreme.
Und bei harten und langen Anstiegen hilft Wim Hof Atmung unglaublich. Die Anhaltephasen sind natürlich sehr kurz, aber es generiert Power!“

Habt ihr generelle Tipps für Bikepacking- AnfängerInnen?

„Einfach so oft wie möglich versuchen kurze Trips oder Overnighter zu unternehmen. Mit jedem Mal wird man routinierter – was man packt, wie man packt und wohin man es packt.“

Was konntet ihr von dem Event mitnehmen? Was habt ihr gelernt?

„Es hat sich eine latente Sucht zu Events, wie dem Badlands entwickelt… Wir können es kaum erwarten wieder irgendwo an den Start zu gehen. Es ist ein unglaublich effizienter Reset für Körper, Geist und Seele. Die technologische Entwicklung unserer Gesellschaft hat zu einem sehr hohen Level an Komfort im Alltag geführt. Jedoch sind wir biologisch dafür designt auch mal an unsere Grenzen zu gehen.
Ähnlich dem Heilfasten, Sauna, Eisbaden oder eben an seine konditionellen Grenzen zu gehen. All diese Dinge tun unglaublich gut, wenn man sich einmal überwindet.“